Präambel

Weder Epigone noch Utopie ist dieser Entwurf für das neue Bauhaus Museum Dessau. Nicht die formalen, sondern inhaltlichen Werte des Bauhauses sind gestaltgebend. Angemessenheit, Funktionalität und Selbstbewusstsein bestimmen die Haltung dieses Baus, der sich respektvoll und dialektisch in die bestehende Parklandschaft einfügt.

Städtebau

Basierend auf der Idee eines durch Menschenhand gefertigten Artefaktes wird das neue Bauhaus Museums Dessau in den Stadtpark eingebettet. Dabei bildet das Museum eine städtebauliche Ergänzung zu den bereits im Park befindlichen Elementen wie Y-Hochhäuser, Teehaus und Mahnmal der „Opfer des Faschismus“.

Die gewählte Setzung und Geometrie des Gebäudes ermöglicht einen maximalen Erhalt des bestehenden Grünraums. Auf die Ausdifferenzierung einer einzigen Hauptfassade wird verzichtet. Vielmehr kreiert die skulpturale Ausformulierung des Baukörpers eine spannungsvolle Allseitigkeit des Volumens innerhalb des Parks. Gegliedert wird das Gebäude in drei Hauptbestandteile. Den ersten Bestandteil bildet das extrovertierte und transparente Erdgeschoss auf Parkebene.

Außerhalb zweier verglaster Erdgeschossbereiche bilden vier vertikale Erschließungskerne den zweiten Hauptbestandteil des Museums. Dezentral beinhalten Sie alle Vertikalerschließungen und tragen statisch primär den dritten Bestandteil der Gebäudekomposition, den opaken Ausstellungskörper. Dort werden sowohl die Sammlung als auch die Wechselausstellungen des Museums präsentiert. Kerne und Ausstellungskörper verschmelzen zu einer brückenhaften, von allen Seiten erfahrbaren, Skulptur.

Dabei ist die Eingangssituation intuitiv und klar ersichtlich gestaltet. Ein öffentlicher Pfad von den Besucherparkplätzen über das Zentrum des Stadtparks, bis zur Tramhaltestelle „Rathaus-Center“ führt durch das Gebäude, vorbei an Haupteingang und Cafeteria.

Architektur

Im nördlichen Bereich des, nach außen verglasten, Erdgeschosses gruppieren sich das Foyer mit Erstinformation und Shop sowie öffentlichkeitswirksame Nutzungen wie Veranstaltungssaal und Workshopräume um ein eingestelltes geschlossenes Volumen. Dieses beinhaltet Toiletten und Lagerflächen. Der Veranstaltungssaal sowie der teilbare Workshopraum orientieren sich in Richtung Westen mittels überdachten Außenbereichen zum Park. Zusammen mit Foyer und Erstinformation ergeben diese Räume bei Bedarf eine großzügige Eventfläche. Das Café, gegenüber des Museumseingangs, bildet zusammen mit Verwaltung und Logistik den südlichen zweiten Nutzungsbereich des Erdgeschosses.

Ein Treppenkern mit Lastenaufzug und Haustechniktrassees bindet die Anlieferung mit Lagerflächen, sowie den Verwaltungstrakt getrennt vom Besucherstrom, an die Ausstellungsflächen im Obergeschoss an. Weiterhin sind die im Untergeschoss platzierten Technikräume über diesen Kern erreichbar. Der öffentliche Erschließungskern am Foyer ist im Gegensatz zu den rein funktional gestalteten Fluchttreppenkernen, räumlich gro.zügig gestaltet. Eine einladende Kaskardentreppe führt die Museumsbesucher dort nach oben in das Ausstellungsgeschoss. Jeder der vier Erschließungskerne wurde seiner Nutzung entsprechend dimensioniert.

Im Gestaltungsprozess wurden Elemente wie Medienschächte, Lifte und Fluchttreppen nicht als störende Notwendigkeiten zurückhaltend eingebettet.

Vielmehr wurden sie als gestaltgebende Bestandteile der Gesamtskulptur statisch wirksam gemacht. Zusammen mit der Lusterschließung bilden sie so im doppelten Sinne die Fundamente für ein funktionales und zeitgemäßes Museumsgebäude.Der von den Erschließungskernen getragene opake Volumenkörper oberhalb des Erdgeschosses beherbergt hoch flexible Ausstellungsflächen. Basierend auf einem Grundraster von 2.0 x 2.0 Metern können die zur Verfügung stehenden Räume frei unterteilt werden. Ein statisch autarkes Tragwerk sowie die optimale Positionierung der Fluchttreppen ermöglicht je nach Bedarf offen zusammenhängende Flächen oder die Gestaltung kleinteiliger Kammerungen. Die Ausstellungsbereiche lassen sich so an differente Charaktäre wechselnder Ausstellungen anpassen.

Außenbereiche

Die bestehende Parklandschaft bleibt von gestalterischen Eingriffen weitgehend unberührt. Lediglich der Pfad vom Inneren des Parks in Richtung Rathaus, welcher unter dem Museum hindurch führt, wird neu ausgerichtet.

Die Besucherparkplätze werden im Westen an der Friedrichstraße platziert. Von dort erfolgt auch die Anlieferung des Museums. Der Anlieferbereich befindet sich in einer vom Ausstellungsvolumen gänzlich überdachten Nische des Erdgeschosses. Die Einsehbarkeit der Ladezone durch Passanten wird so eingeschränkt.Vor den Workshopräumen sowie dem Veranstaltungssaal und dem Café werden befestigte Freiflächen geschaffen.

Innenund Außenbereiche verschmelzen durch einen zusammenhängenden Bodenbelag und werden lediglich durch die feine Glasmembran der Erdgeschossfassade getrennt.

credits

architect: Studio BÄNG  |  client: Stiftung Bauhaus Dessau  |  status: Competition (2015)  |  competition: Bauhaus Museum Dessau  |  location: Dessau-Roßlau, Germany (51.834409, 12.242161)  |  climate: Oceanic / maritime, Temperate  |  materials: concrete, glass  |  environments: Urban, Park  |  visualizer: Studio  |  scale: medium  |  types: cultural, museum  |  views: 1.598

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