Projektprinzipien

Der Erweiterungsneubau des Kunstmuseums Chur definiert ein einfaches und kompaktes Volumen welches sich mit höchster Natürlichkeit in seine nähere städtische Umgebung einfügt und sich somit seinem Umfeld anpasst. Die klare Unabhängigkeit des Gebäudes in Beziehung zu den angrenzenden Bauten verstärkt den Stellenwert des Gartens im neuen Kunstmuseumsareal und überträgt dem Gebäude ein selbstbewusstes und schlichtes Auftreten. Der palladianische Baustil und der orientalistische Baugeschmack, welche den wesentlichen Charakterzug der Villa Planta darstellen, werden vom Erweiterungsbau aufgenommen und mit einer neuen Architektur ausgedrückt. Das Projekt baut auf den originalen geometrischen Bauachsen der Villa Planta auf, und stellt sich ihr axial gegenüber.

Das zentrale und symmetrische Kompositionsschema mit Betonung der Mitte wird ebenfalls dem Villenbau entnommen und auf das neue Gebäude übertragen. Diese klare geometrische und wahrnehmbare Beziehung verbindet den Erweiterungsbau und Villa Planta auf unauflösbare Weise. Die schlichte Präsenz, welche das neue Gebäude charakterisiert, verleiht dem Projekt eine klare formale und kompositive Autonomie, und erlaubt zugleich auch die Identität von Villa Planta beizubehalten.

Funktionsschema

Das einfache, klare und präzise Funktionsschema baut auf zwei vertikalen parallelen Baukernen auf, die auch die Tragstruktur des Gebäudes darstellen. Über ein Portal an der Grabenstrasse wird das neue Museum erschlossen. Das Foyer ist ein weiter offener Raum der auf klare und direkte Weise mit der Villa Planta und dem Skulpturgarten, charakterisiert durch das Auftreten der zarten orientalischen Kirschbäume, in Verbindung steht. Dementgegen stellt die Cafeteria-Restaurant, welche im Dachgeschoss des Neubaus untergebracht wurde und unabhängig zugänglich ist, einen gemütlicheren Raum dar. Ihre Terrasse öffnet Blicke in die Ferne.

In den zwei zentralen Geschossen des äusseren Baukörpers wird das private Raumprogramm der Werkstätten, des Speditions- und Lagerraums untergebracht. Eine lange von Licht durchflutete und zum Garten hin offene Treppe führt in die Ausstellungsräume und die Besucherbereiche, die sich in den Untergeschossen befinden. Diese werden dank der Treppe mit natürlichem Licht beleuchtet.

Die Sammlung wird in einer Raumfolge von gut proportionierten Sälen präsentiert. Diese Räumlichkeiten, einige mit Oberlicht, befinden sich im ersten Untergeschoss und stehen in Bezug zu den Sälen der Villa Planta. Die Wechselausstellung findet hingegen im zweiten Untergeschoss statt. Der Ausstellungsbereich besteht aus einem einzigen großen Raum, der eine flexible modulare Raumgestaltung ermöglicht und nur durch die zwei vertikalen Erschließungskörper unterbrochen wird. Die Räumlichkeiten der Villa Planta bleiben unverändert. Ausnahme sind einige kleine Eingriffe, um im Untergeschoss das Grafische Kabinett unterzubringen und im Dachgeschoss die Bibliothek und die Verwaltung anzupassen.

Das Parken der Fahrzeuge und Transporter erfolgt im Äußeren des Gebäudes, und die Versorgung und Entsorgung sowie die Anlieferung findet direkt im Foyer statt. Auf diese Weise wird die Multifunktionalität der inneren Räumlichkeiten und die Volumetrie des gebauten Gebäudes optimiert. Das Kompositionsschema lässt es allerdings auch zu, einen bedeckten Aussenraum oder ein unabhängiges Volumen für diese Funktion zur Verfügung zu stellen.

Materialität

Das Fassadenmotiv, ein abstraktes Flachrelief bestehend aus vorgeformten perlgrauen Betonelementen verkleidet die gesamten Aussenfassaden. Diese Fassaden könnten durch Led Lichter, die in jedem einzelnen Bauelement einbetoniert sein könnten, beleuchtet werden.

Nachhaltigkeit

Die Kompaktheit des Gebäudes, sowohl in den Obergeschossen als auch in den Untergeschossen (im Erdreich), die Reduzierung der Fensterflächen und die Anwendung von Baulösungen mit hohen thermischen Speicherkapazitäten gewährleisten die Nachhaltigkeit der Gebäudehülle und des Baukörpers. Die Ausstellungsflächen in den Untergeschossen werden durch eine breite Luftkammer, in welcher sich die Installationsschächte befinden, geeignet geschüzt. Diese Luftkammer isoliert das Gebäude vom Erdboden, ermöglicht und gewährleistet in den Ausstellungsräumen optimale thermische und hygrometrische Bedingungen, mit einem minimalen Energieverbrauch.

Gedanken zur Parkgestaltung

Die schlichte Zeichnung vom Park entwickelt sich aus den bestehenden Konturen des Gartens der Villa Planta und bildet eine neue formale, konsequente Einheit mit dem Bereich der baulichen Erweiterung. Ein großzügiger, mit Kies belegter Platz spielt die Villa ihrem Charakter angemessen frei und betont dadurch ihre Präsenz. Es entsteht somit ein klarer Dialog zwischen der ruhigen Kiesfläche der herrschaftlichen Villa und der neu mit Andeergranit Bundsteinpflästerung belegten Fläche des Erweiterungsbaus. Hier befinden sich zerstreut vereinzelte, transparente orientalische Zierkirschen als Kontrapunkt zu dem dominierenden, schützenswerten Baumbestand der historischen Parkanlage.

Axiale Ausrichtung auf die Villa und Symmetrie bleiben zentrale Gestaltungsprinzipen. Diese definieren auch die Erschließungen zur Bahnhofstrasse und zur Grabenstrasse. Ein weiterer Zugang befindet sich auf der Ecke Graben- / Zeughausstrasse. Mit der Erweiterung des bestehenden transparenten Einfriedigungszauns wird die Parzelle eingefasst und kann nachts geschlossen werden. Beide Belagsflächen können somit als großzügige temporäre Ausstellungsbereiche benützt werden. Der Grundriss der Gartenpartie bei der Verwaltung der Rhätischen Bahn wird vereinfacht und neu definiert. Die Anlage verbindet sich formal und funktionell mit der Umgebung der Villa Planta und bildet somit eine neue gestalterische Einheit. Zwei niedere Buchskörper flankieren die Achse, welche vom Portal auf den Haupteingang des Verwaltungsgebäudes der RhB führt. Lineare Sitzbänke im Innen- und Aussenbereich des Parks laden zum Verweilen ein. Der neue Park soll als Gesamtensemble nicht nur bei verschiedenen Veranstaltungen das Interesse auf sich ziehen sondern auch, dank seiner besonderen Aufenthaltsqualität, ein beliebter Treffpunkt und Ort zum sein werden.

credits

architect: Estudio Berozzi Veiga  |  status: Competition (2012) Project (2012) Construction (2014 - 2015) Completed (2016)  |  competition: Extension Bündner Kunstmuseum  |  clasification: 1 rang  |  consultant: Walter Dietsche Baumanagement AG, Schwander & Sutter Architekten, Ingenieurbüro Flütsch, Brüniger + Co. AG, Waldhauser + Hermann Haustechnik AG, Niedermann Planung GmbH, xmade, material and envelope design s.l., Kuster + Partner, Mullis + Cavegn AG, Michael Josef Heusi, Lichtdesigner, Balzer Ingenieure AG, AFC Air Flow Consulting AG, Intep, Integrale Planung GmbH, WBG AG für visuelle Kommunikation  |  landscape: Paolo Bürgi  |  visualizer: Studio  |  scale: medium  |  types: cultural, museum  |  views: 2.210

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