Ein Pavillon im Park

Das BIZ versteht sich als «Pavillon» inmitten der Parkflächen des Tiergartens.
Angesichts der im Programm geforderten umfangreichen Geschoßflächen schlagen wir vor, das sich daraus ergebende große Volumen in zwei kleinere Pavillons zu gliedern. Diese beiden Baukörper, mit Abmessungen von ca. 32x35x16m, folgen unterschiedlichen Baulinien in der West- und Osthälfte des Grundstücks. Dadurch lassen sich parallele Frontalansichten vermeiden, die räumliche Wirkung ist durch die aufgelösten Fluchten weniger massiv. Die konkave Bewegung der Volumina trägt dazu bei, die Gebäude mit dem Park zu überlagern.

Der Entwurf versucht den Baumbestand möglichst umfangreich zu erhalten, um den Pavilloneffekt zu verstärken schlagen wir die Pflanzung von zusätzlichen artgleichen Bäumen in den rückspringenden Bereichen des Baukörpers vor. Die sommergrünen Laubgehölze bieten Schutz vor Sonneneinstrahlung im Sommer und erlauben Lichteinfall im Winter.

Ein leicht erscheinendes Gebäude

Die Baukörper sollen von außen leicht erscheinen, dazu heben wie das Erdgeschoßniveau um 0,50m an und können so einen Gebäudevorsprung schaffen, der die Baukörper durch eine Schattenfuge scheinbar über dem Boden schweben lässt. Spiegelungen und Transparenzen der Glasfassaden tragen dazu bei, die Grenzen zwischen innen und außen zu verwischen.

Durchblicke und natürliches Licht

Die vornehmlich nordorientierte großzügige Verglasung der Fassaden bietet eine natürliche Belichtung und Ausblicke in allen Ebenen ohne die Gefahr zu großer thermischer Aufheizung. Aus den öffentlichen Bereichen im Inneren entstehen quer durch das Gebäude Blickbeziehungen in den prominenten Außenraum mit einer großzügigen Raumwirkung. Durch das von oben einfallende Licht und die Zäsuren zwischen den Pavillons wirkt das Untergeschoß atmosphärisch wie eine Fortsetzung des Erdgeschosses.

Innere Gliederung

Das Raumprogramm entwickelt sich gegliedert in Blöcken, die sich über die verschieden Gebäudeebenen verteilen. Diese Blöcke befinden sich meist auf der dem Reichstagsgebäude abgewandten Seite und schaffen Freiräume für die öffentlichen Bereiche des Gebäudes, die eine direkte Blickbeziehung zum Platz der Republik und zum Reichstagsgebäude herstellen. In der Schnittansicht ist die Zunahme der Leerräume nach oben hin, die die Leichtigkeit des Gebäudekomplexes unterstreicht, deutlich ablesbar.

Der Tiergarten mit einem neuen Pavillon

Die Leitidee unseres Projektes ist die Einfügung des BIZ als «Pavillon» inmitten der Parkflächen des Tiergartens. Ziel unseres Landschaftskonzepts ist der weitest gehende Erhalt des Baumbestandes. Nachpflanzungen weiterer Bäume in den rückspringenden Bereichen des Baukörpers betonen und potenzieren diese Leitidee.

Vegetation

Das Konzept zur Gestaltung der Grünanlagen besteht aus drei Schichten. Die erste Ebene entspricht der weichen Geländeoberfläche und wird mit Gras und flachen Bodendeckern ausgeführt. Eine zweite Ebene bildet sich aus der Weiterentwicklung der bestehenden Büsche und Heckenstreifen. Die Kronen der bestehenden und neugepflanzten Bäume definieren die dritte Ebene. Die Neupflanzungen orientieren sich am Bestand, um die Einheitlichkeit der Landschaft zu verstärken:

Tilia intermedia an der Grundstücksgrenze; acer pseudoplatanus und acer saccharinum im Nordbereich zwischen dem BIZ-Gebäude, Simsonweg und Scheidemannstraße; und quercus robur in der Nordwestecke und im Südbereich zwischen Südfassaden und Zeltenallee.

Alle Bestandsbäume werden im Laufe der Errichtung des Bauwerks umfassend geschütz.

Energetisches Konzept

Das energetische Konzept verfolgt durch die architektonische Struktur größtmögliche klimatische Effizienz. Die Ausrichtung der Hülle wurde so konzipiert, dass keine thermische Überhitzung im Sommer erfolgt, jedoch ein ganzjähriger Lichteinfall gewährleistet ist. Oberlichter versorgen die repräsentativsten Räume im Gebäude mit Nordlicht, dadurch kann der Aufwand für künstliche Beleuchtung minimiert werden. Die Südseite der Oberlichter erhält eine Photovoltaik-Anlage, die zur Versorgung des Gebäudes mit Elektrizität beiträgt.

Böden, Wandverkleidungen und Decken können als massive Bauteile zur Bauteilaktivierung herangezogen werden und reduzieren durch passive Kühlung Temperaturschwankungen übers Jahr. Durch die weitgehend freistehende Lage kann der Einsatz von Geothermie zur Energiegewinnung verfolgt werden, Überlagerungen zu anderen Nutzern sind nicht zu erwarten.

Durch kontrollierte Lüftung mit Strömungstauscher zur hocheffizienten Rückgewinnung von Wärme können die Energieausgaben minimiert werden, indem die Luft im Winter vorgeheizt und im Sommer abgekühlt wird. Im Haustechnik-Schacht wird die Klimatisierung über eine Trombé-Wand an der südlichen Fassade auf natürliche Weise unterstützt. Innen- und außenliegende Öffnungen können geöffnet bzw. geschlossen werden, um die natürliche thermische Bewegung der Luft zum Wärmen oder Kühlen zu nutzen.

credits

architects: Brullet de Luna, Josep Ferrando, David Recio  |  team: Manuel Brullet, Alfons de Luna, Josep Ferrando, David Recio   |  collaborator: Pepe Batlle, Arabella Becker, Ilaria Caprioli, David Casadevall, Laura Catra, Judit Coma, Stefan Kasmanhuber, Taegweon Kim, Goun Park, Daniele Russo, Arnau Sumalla, Álvaro Valcarce, Miquel Rodríguez (xmade)  |  client: Unknown  |  status: Competition (2016)  |  competition: Neubau Besucher und Informationszentrum des Deutschen Bundestages  |  clasification: finalist  |  location: Berlin, Germany (52.517504, 13.374770)  |  climate: Continental, Temperate  |  materials: concrete, glass, wood  |  environments: Park, Urban  |  visualizer: Play-Time architectonic images  |  model maker: Buit Taller  |  scale: medium  |  types: cultural, interpretation center, mixed use, theater  |  views: 8.297