Städtebau

Der Neubau für das Naturhistorische Museum Basel und das Staatsarchiv Basel-Stadt soll im Quartier des äusseren St. Johann ein neues kulturelles Zentrum für Basel schaffen. Weit entfernt von formalen und konstruktivem Übermass, soll sich der einfach gegliederte Baukörper, zwischen Stadtraum und Geleisefeld gelegen, in seinen städtischen Kontext eingliedern und gleichzeitig ein klares Zeichen setzen. Das leicht von der Brücke abgerückte Hochhaus schafft eine städtebauliche Präsenz für die zwei kulturellen Institutionen.

Der gemeinsame Haupteingang ist Zeichen der Synergie der beiden kulturellen Institutionen und befindet sich unmittelbar am Vogesenplatz. Eine grosse Terrasse auf der Südseite des Hochhauses strukturiert die Gebäudevolumetrie und schafft sowohl eine Offenheit zum Vogesenplatz hin, sowie eine Sichtbeziehung zwischen Quartier und Geleisefeld.

Raumprogramm

Das neue naturhistorische Museum und Staatsarchiv Basel möchte einen Ort der Inspiration schaffen, einen Raum für die Begegnung und den Austausch von Ideen, ein Zentrum des gespeicherten Gedächtnisses unseres Planeten und der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen auf baslerischem Gebiet.

Das Erdgeschoss öffnet sich zum Vogesenplatz hin und heisst die Besucher willkommen. Eine grosse gemeinsame Eingangshalle bildet das Herzstück der beiden Institutionen. Wie zwei ineinandergreifende Hände vereinen sich Museum und Staatsarchiv.

Das Naturhistorische Museum befindet sich auf der dem Hochhaus abgewandten Seite. Über Aufzüge oder eine grosszügige Treppe gelangt der Besucher in das zweite Obergeschoss mit den permanenten Ausstellungsräumen. Der Ausstellungsparcours endet im ersten Geschoss, welches über einen grossen Patio mit der Eingangshalle und über Passarellen mit dem Auditorium verbunden ist.

Die temporären Ausstellungen befinden sich im Erdgeschoss und in der Nähe der Anlieferung, um eine grösstmögliche Flexiblität in der Bespielung der Ausstellungsräume zu bieten. Sie können wahlweise verdunkelt oder mit Tageslicht benutzt werden.

Über zwei andere Aufzüge gelangt der Besucher ins oberste Geschoss,mit den im Gegensatz zu den Ausstellungsräumen sehr offenen und hellen Räumen. Hier befinden sich die Räume für Events, Bibliothek und verschiedene Aulas. In diesem Geschoss, welches auch über einen eigenen Personaleingang erreicht werden kann, befinden sich auch die Büros der Administration und der Forscher des Museums.

Auf der dem Museum gegenüberliegenden Seite der Eingangshalle befindet sich das Staatsarchiv. Die öffentlichen Räume sind im Hochhaus untergebracht und werden auch über den gemeinsamen Eingangsbereich erschlossen. In den Leesesälen auf den obersten Geschossen des Hochhauses kann sich der Besucher mit Weitsicht über Basel dem Studium der Stadtgeschichte widmen.

Wie in einem wertvollen Tresor, umgeben von einem Schutzmantel und klar getrennt von den öffentlichen Bereichen, befinden sich die unersetzlichen Dokumente des Archivs und die grosse Sammlung des Museums in den Untergeschossen des Gebäudes. Definierte Lagerkonditionen und die vor Feuchtigkeit schützenden Technikgeschosse garantieren den maximalen Schutz der Kulturgüter.

Über eine gemeinsame Anlieferung werden die Dokumente oder Objekte des Museums entweder in die entsprechenden Werkstätten oder in die Zwischenlager gebracht, um dann im Archiv, resp. in der Sammlung aufbewahrt zu werden.

Konstruktion und Materialien

Das neue naturhistorische Museum und Staatsarchiv ist als elegantes Volumen aus Beton, Glas und rezyklierten, weiss lackierten Aluminiumpaneelen konzipiert.

Die Fassade besteht aus rezyklierten Gussaluminiumpaneelen mit verschiedenen, je nach ihrer Notwendigkeit angepassten Charakteristiken, ohne dabei ihre Homogenität zu verlieren. Je nach Tageslichtbedarf oder als Schutz zu den Geleisen werden geschlossene oder offene, lamellenartige Paneele verwendet. Die Südseite des Hochhauses wird mit ihren in den Elementen integrierten Fotovoltaikpaneelen zu einem Symbol für die Energie-Stadt Basel.

Statik

Die Tragelemente und deren Ausbildung sind so ausgelegt, dass eine einfache und damit wirtschaftliche sowie rasche Ausführung möglich ist und eine qualitativ hochwertige und dauerhafte Konstruktion resultiert. Für die geplante Nutzung sowie für spätere Eingriffe wird eine hohe Flexibilität gewährleistet.

Sicherheit und Gebrauchstauglichkeit für die geplante Nutzung entsprechend den Zielen der Auftraggeberin sowie den Regeln der Baukunde werden gewährleistet.

Die Entwicklung des Tragwerks erfolgt mit der Zielsetzung, einen hohen Beitrag an die Nachhaltigkeit zu erbringen. Entsprechend fliessen Anregungen zum Beispiel aus der Empfehlung SIA 112/1 (2004), «Nachhaltiges Bauen – Hochbau», oder der KBOB Empfehlung «Baumaterialien im Hochbau» (2002), in unsere Arbeiten ein. Stichworte dazu sind die einfache Tragstruktur mit adäquaten Spannweiten und die im Regelfall direkte Lastabtragung, um Abfangelemente zu umgehen, womit der Anteil an grauer Energie gesenkt werden kann.

Entsprechend führen die einfachen Grundkonstruktionen mit den gewählten Spannweiten zu einer grossen Nutzungsqualität und –flexibilität sowie einem minimierten Einsatz von Baumaterialien für den Rohbau. Die Tragsysteme bestehen hauptsächlich aus optimierten Betonflachdecken, die auf den verschiedenen Lift- und Treppenhauskernen sowie Stahlbetonscheiben und Stützen aufliegen. Im obersten Geschoss ermöglicht eine zwischen die beiden Längsfassaden gespannte Rippendecke eine minimierte Bauweise bei gleichzeitig maximaler Flexibilität der Raumnutzung. Die Auskragung bei der Achse 1 wird bewerkstelligt, indem vorgespannte Träger in der Decke über 2. OG die Fassade der Achse 1 abfangen. Diese Träger liegen auf der Stirnwand der unteren Geschosse auf, die wiederum die Kräfte auf die Längsfassaden weiterleitet.

Die Stabilisierung des Gebäudes für Horizontallasten infolge Winds sowie der aussergewöhnlichen Bemessungssituation Erdbeben und einer möglichen Druckwelle bei einem Störfall SBB (42 to Propan im Gleisbereich) wird durch die Verteilung der Kräfte über die Betondecken auf die verschiedenen Betonschreiben ideal gewährleistet. Die Betonscheiben sind ideal über den Grundriss des Gebäudes verteilt so angeordnet, dass das Massenzentrum und das Steifigkeitszentrum nahezu identisch sind, so dass keine zusätzlichen Torsionsbeanspruchungen resultieren.

credits

architects: Emilio Tuñon, Marceline Ruckstuhl  |  collaborator: Andrés Regueiro, Albert Palazón, Victoria P. Lopez Cabeza, Ruben Arend, Rosa Bandeirinha  |  client: Canton of Basel  |  status: Competition (2014)  |  competition: New Museum of Natural History Basel & State Archives Basel-City  |  location: Basel, Switzerland (47.569162, 7.573206)  |  climate: Oceanic / maritime, Temperate  |  material: concrete  |  environments: Railway, Urban  |  visualizer: Studio  |  scale: 32.500 m2 large  |  types: cultural, museum  |  views: 1.994

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Emilio Tuñon, Marceline Ruckstuhl | EM2N