Konzernzentrale Marquard & Bahls
0656-AWG-HAM.DE-2012
Architect: AllesWirdGut Architektur
Status: Competition (2012)
Visualizer: Studio
Scale: 17.151 m2 Large
Types: Office, Office building

‘Der Kompetenzspeicher mit Raffinesse’

Unabhängig, solide, und eigenwillig – ein in sich ruhender Solitär mit angemessener Repräsentation zu allen Seiten.

Städtebau

Der Bauplatz verweist auf Grund seines in der Hafencity außergewöhnlichen Zuschnitts auf historische Speichertypologien mit heute unüblichen Bauplatztiefen. Die besondere Lage in unmittelbarer Nähe zum Kaispeicher B und Heinemannspeicher erfordern aus Sicht eines Ensemblegedankens eine subtile und zugleich selbstbewusste Reaktion auf diese Nachbarschaft.

Die gewählte Blockrandbebauung konstanter Höhe fügt sich zurückhaltend in die Bestandsumgebung ein. Die schlichte Proportion des Baukörpers kokettiert bewusst nach Außen mit dem Erscheinungsbild traditioneller Speichergebäude.

Drei einfache, scheinbare Verletzungen / Irritationen des massiven Blocks reagieren sowohl auf die Schlüsselposition als Quartierseingang wie auch auf die Einzigartigkeit des Bauplatzes durch dessen direkten Kontakt zu Wasser, Lohse Park und Stadt (Kreuzung Shanghaiallee / Koreastraße).

An drei Seiten öffnet der Speicher seine Mauern um die speziellen Freiraumqualitäten in sein Inneres zu bitten: lebendige Urbanität, kraftvolles Wasser, frische Parklandschaft!

Diese Maßnahme eröffnet zugleich Ausblicke aus dem Zentrum des Speichers in seine unmittelbare Umgebung. Wie die Taue einer Barkasse verankern diese Blickbeziehungen das Gebäude in seiner Nachbarschaft.

Das Speicherfenster zum Brooktorhafen reagiert auf die rhythmische Bebauung Nordseite Ericusgraben und markiert, ohne aufgeregt in Erscheinung zu treten, selbstbewusst den Eingang in das Quartier.

Das Speicherfenster zum Lohse Park übernimmt diese Aufgabe für Spaziergänger und Radfahrer der Ericusbrücke ohne den Gesamteindruck des modernen, schlichten Speichers zu schwächen.

Das dritte Speicherfenster positioniert den Haupteingang mitten im urbanen Geschehen des neuen Quartiers am Kreuzungspunkt Shanghaiallee / Koreastraße.

Organisation

Der Blockrand umschließt ein überdachtes Atrium und gliedert sich in eine öffentliche Erdgeschoßzone mit darüberliegenden privaten Büroräumlichkeiten. Die großzügigen Außenraumbezüge des Atriums an drei Seiten geben dem Erdgeschoß zwei Gesichter: ein extrovertiertes zu den umliegenden öffentlichen Straßenräumen und ein introvertiertes, teilweise erhöhtes zum halböffentlichen Innenraum – der ‘Marquard & Bahls Plaza’.

Entsprechend dieser Unterscheidung orientieren sich die Nutzungen wie folgt:

– Shops, Bistro, Fitnesscenter und Kindergarten auf Straßenniveau nach außen
– Konferenzzentrum, Ausstellungsbereiche, Restaurant- und Pausenbereich zur Plaza

Das Eingangsfoyer auf Straßenniveau mit vor geschalteter Empfangszone bietet einen großzügigen Durchblick zur Nordseite Ericusgraben und empfängt Ankommende per Boot ebenso wie Besucher aus der Tiefgarage. Das Foyer verteilt die Ankommenden zentral zu den Vertikalerschließungen oder leitet diese über eine Freitreppe zur erhöhten Plaza (1. Obergeschoß) mit Blick Richtung Lohse Park.

Unterhalb der Plaza im unbelichteten Bereich des Erdgeschoßes befinden sich Server- und Lagerräumlichkeiten für Büro und Kantine. Zwei Erschließungsgänge – durch Öffnungen in der Plaza
mit Tageslicht erhellt – ermöglichen die interne Verbindung von Foyer mit Fitnesscenter, Kindergarten und Anlieferungszone.

Die Büroräumlichkeiten werden entsprechend den Anforderungen aus dem Raumprogramm zweibündig um eine zentrale Erschließung organisiert. Die lichte Trakttiefe von 12,20m gepaart mit einem Büroraster von 135cm erlaubt sowohl Zellenbüros, Gruppenbüros wie auch offene Großraumstrukturen und unterstreicht die Forderung nach Flexibilität.

Die großen Speicherfenster schenken jedem Büroraum einen besonderen Blick in die Umgebung.   Jedes Bürogeschoß verfügt über eine Brückenverbindung zwischen den beiden Längsseiten um kurze Wegeverbindungen innerhalb der Geschosse sicherzustellen.

Die Tiefgarageneinfahrt wurde zugunsten einer direkten, autoverkehrsfreien Anbindung des Kindergartens an den Lohse Park in die Koreastraße verlegt. Direkt daneben angeordnet an der Südecke des Gebäudes befindet sich der Lieferanteneingang mit Botenzimmer sowie der Zugang zum Müllraum.

Freiraum

Das beengte Platzangebot des Bauplatzes einerseits, aber auch die spezielle Umgebung andererseits erfordern kreative, eigenwillige Lösungen hinsichtlich der Freiräume.

Der vorliegende Entwurf konzentriert daher zwei Freiräume um das zentrale Atrium mit seiner erhöhten Plaza und schafft größtmögliche Freiflächen zum Wasser des Brooktorhafens und zur Grünfläche des Lohse Parks. Beide Freiräume sind als überdachte Freitreppen mit Sitzstufenanlage und breiten Podestflächen geplant.

Der Kindergarten erhält zum Brooktorhafen eine Loggia und die autoverkehrfreie Anbindung an den Lohse Park.

Erscheinungsbild (Fassade)

Die Gestaltung der Fassade folgt dem Leitmotiv ‘unabhängig, solide und eigenwillig’. Das homogene Erscheinungsbild unterstreicht die Idee des Kompetenzspeichers und orientiert sich an Beispielen aus der benachbarten Speicherstadt.

Das Thema der ‘Backsteinfassade’ wird zweifach zitiert: einerseits durch die Verwendung von Backsteinen als vorherrschendes Material, zum anderen durch die versetzte Anordnung von Mauerelement und Fenster, welche als – im Maßstab neu interpretierter – Verband von Backstein und Loch gelesen werden kann.

Die Laibungen der mehrgeschossigen Speicherfenster werden einem Schale-Kern-Prinzip folgend, in sandfarbenem Sichtbeton ausgeführt und komplettieren ein selbstbewusstes, solides Gesamtbild ohne übertrieben anzumuten.

Ökologisches Bauen

Massive Bauteile werden in Ökobeton, z.B. ‘Slagstar’ ausgeführt, welcher eine 70% Einsparung des CO2–Ausstoßes vorweißt.

Die Wahl der Baustoffe und der Bauweise erfolgt unter der ökologischen Erfordernis der Ressourcen-schonung und Nachhaltigkeit mit Berücksichtigung der Stoff-Primär-Energie, Reparaturfähigkeit und wieder Verwertbarkeit am Ende der Gebrauchsdauer.

Team: Jakub Klima, Lukas Morong | Engineer: Transsolar | Model maker: Mattweiss | Views: 2.140