Primarschulhaus und Sporthalle Erlenmatt
0122-LCS-BSL.ES-2013.17
Architect: Luca Selva
Status: Competition (2013)
Clasification: 1 prize
Visualizer: Studio
Scale: Large
Types: Education, School

Architektur

Das Projekt schlägt ein gestaffeltes Volumen vor, das unterschiedliche Aussenräume schafft. Der Gebäudekörper folgt einem Raster, der an den umlaufenden Lochfassaden mit einheitlichem Fensterformat ablesbar wird und der auf Raumeinheiten von 30 m2 aufbaut. Blindfensterelemente reduzieren den Glasanteil etwas schematisch, ohne den Raster zu ändern. Das Gebäudevolumen führt die Baulinie an der Erlenmattstrasse fort, löst sich jedoch hofseitig weitgehend vom Prinzip der Blockrandbebauung und bildet eine gebaute Topographie mit verschiedenen Ebenen.

Die Sporthalle ragt ein Geschoss über das gewachsene Terrain und bildet eine erhöhte Pausenplatzebene, welche den Hofbereich der Wohnüberbauung Erlentor vom Schulareal abtrennt. Diese ist dem Hauptgeschoss vorgelagert und über eine grosszügige Freitreppe sowie Sitzstufen mit dem Hofniveau verbunden. Dieser Bereich regt zur Nutzung auch ausserhalb der Schulzeiten an, was ein gewisses Konfliktpotential zur Wohnnutzung der näheren Umgebung birgt. Ausserdem fehlt eine hindernisfreie Verbindung zwischen unterem und oberem Pausenbereich. Die Gebäuderücksprünge in den Obergeschossen schaffen Dachterrassen, die als erweiterte Schulbereiche die begrenzte Umgebungsfläche kompensieren und interessante Aussichten bieten.

Der Zugang zum Schulhaus erfolgt von der Erlenmattstrasse über einen gedeckten Vorplatz mit Blickbeziehung in die Sporthalle. Der Eintritt in die Eingangshalle wirkt durch das geschlossene Treppenhaus mit Lift, welches u.a. den separaten Zugang in die Sporthalle und in die Aula gewährleistet, etwas beengt. Von der gut bemessenen Halle führt eine offene Treppe ins Hauptgeschoss und ein Garderobenbereich zum Kindergarten. Die Integration des Kindergartens in die Schule ist gut gelöst, einzig die exponierte Lage des Eingangs neben der Haupttreppe scheint kritisch.

Der Randbereich zur südlichen Nachbarbebauung wird für einen vom restlichen Schülerstrom abgeschirmten Aussenraum genutzt. Abseits vom restlichen Schulbetrieb – dafür mit Quartierbezug – liegt die Schülerbibliothek ebenfalls im Erdgeschoss.

Im Hauptgeschoss befinden sich das Förderzentrum, die Infrastrukturräume der Lehrerschaft und die Tagesbetreuung.

Eine offene Treppenanlage verbindet die darüber liegenden Geschosse mit den Spezial- und Unterrichtsräumen.

Die internen Wege scheinen grosszügig bemessen und bieten eine gute Orientierung im Schulalltag. Die feuerpolizeilichen Anforderungen machen jedoch einen zweiten gesicherten Fluchtweg notwendig. Der von den Verfassern vorgesehene Fluchtweg über die vorgelagerten Terrassen ist eine interessante Idee, wird jedoch so von der Feuerpolizei nicht akzeptiert, da er zu viele Richtungsänderungen aufweist.

Die Lage der Aula im obersten Geschoss hat hinsichtlich der außerschulischen Nutzung Nachteile, bietet jedoch als Gebäudeabschluss mit Blick über das Quartier ein identitätsstiftendes Potential, das architektonisch noch stärker ausgeschöpft werden könnte. Ein separater Zugang via Lift und Fluchttreppenhaus ist gewährleistet, muss aber wiederum mit einem zweiten Fluchtweg ergänzt werden. Interessant ist die Kombination mit der Hauswirtschaftsküche für Anlässe mit Verpflegung. Vermisst wird ein eigener Sanitärbereich für Abendveranstaltungen in der Aula.

Wirtschaftlichkeit

Der Beitrag ist sorgfältig dokumentiert. Effizient ist er weil er sparsam mit Flächen und Volumen umgeht. Zusätzlich werden die Dächer geschickt als Aussengeschossflächen genutzt. Durch die hohe Grundrisstiefe liegt die Kompaktheit des Projektes trotz der Volumenstaffelung im durchschnittlichen Bereich. Für die Wirtschaftlichkeit und den Bedarf an grauer Energie vorteilhaft ist das reduzierte Aushubvolumen. Die Idee der tragenden Fassadenhülle führt zusammen mit den Terrassendetails aber zu einer teuren Konstruktion mit zahlreichen Durchdringungen der Dämmebene und ist aufgrund des Tragsystems nicht zwingend.

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit

Durch die Staffelung büsst das Gebäude etwas an Kompaktheit ein, die Gebäudehüllfläche ist trotzdem relativ gering.

Die tragende Betonfassade führt jedoch zu vielen Wärmebrücken. Das Technikkonzept erscheint grundsätzlich sinnvoll. Die notwendigen Steigzonen und Leitungsführungen sind jedoch nur teilweise vorhanden und die vorgeschlagene Lüftungszentrale auf dem Dach fehlt in den Plänen ganz. Der Minergie-P-Eco-Standard ist mit Projektanpassungen erreichbar.

Pädagogik

Das Projekt zeigt eine gute Organisation. Der Zentrumsbereich besitzt eine sternförmige Verteilung in die Bereiche der Primarschule, Schulleitung, Förderbereich und Tagesstruktur und bietet differenzierte Pausenplatzzonen an, die von den verschiedenen Altersgruppen genutzt werden können. Die Anordnung der Erschliessungszone ist gut gelöst und wirkt grosszügig. Der Kindergarten mit separatem Pausenplatz überzeugt. Die Aula mit der Terrasse ist bezüglich Proportionen und Lage sehr attraktiv. Ein pädagogisch sehr sinnvoll gestaltetes Projekt.

Team: Luca Selva, David Gschwind, Roger Braccini, Olivia Frei, Kora Balmer | Consultant: Gruner Ag, Ingenieure und Planer, Maars, ursula Burla | Post date: 18/01/2014 | Views: 5.854