• Crematorium Thun

  • 1364-FAL-CH-2015
  • by Fala

Unser Projekt für das Krematorium von Thun-Schoren verwandelt das Grundstück in einen Garten, welcher nahtlos in den Friedhof übergeht. Das gesamte Ensemble wird zu ei- nem weitläu gen Raum der Kontemplation, in welchem alle von Menschen geschaffenen Ob- jekte, von Grabsteinen zu Gebäuden, zu sorg- fältig im Grünen platzierten Skulpturen werden.

Das Krematorium selbst ist ein langes Gebäu- de. Es ist sanft gekrümmt, und sakralisiert so die Reise vom Anfang bis ans Ende seines Programms. Es ist gleichermassen Skulptur und Maschine, ein Gegenstand der zu kontemplieren ist und zugleich ein Ort der Besinnlichkeit.

Die Form des Projekts resultiert jedoch in erster Linie aus einer städtebaulichen Absicht: sie befriedigt das Bedürfnis nach einer Klärung der Situation zwischen dem Friedhof und den Häusern entlang der LohnerStrasse. Zusammen mit den neu gepanzten Bäumen materialisiert das Gebäude eine klare Grenze in der Landschaft. Dieser städtebaulichen Unterscheidung entspricht eine funktionale Differenzierung im Programm des Krematoriums selbst: allen technischen Anforderungen des Gebäudes werden auf dessen südöstlicher Seite entsprochen. Diese Entscheidung ermöglicht es, die andere, dem Friedhof zu- gewandte Seite des Gebäudes davon zu be- freien und komplett dem Besuchererlebnis zu widmen. Nichts als eine Reise und ein Garten.

Die geschwungene Struktur umfängt vom Friedhof her über den Garten kommende Besucher allmählich. Alle Fassaden bestehen aus abgehängten Wänden. Das Gebäude ist enorm und gleichzeitig leicht, als würde es über dem Garten schweben. Zwei markante rote Skulpturen kennzeichnen die Wege der Besucher sowie der Verstorbenen und komplementieren so das Gebäude. Da sie eigenständige Objekte sind, erlauben sie es dem Gebäude selbst eine gewisse Bescheidenheit zu wahren.

Das Krematorium besteht aus zwei Teilen. Im inneren Kern sind alle Räume des Programms auf rationale Weise untergebracht, eingefasst von einem grosszügigen, auf den Garten ausgerichteten Korridor. Dieser löst Besucherwege und Personalaktivitäten parallel. Die beiden Zirkulationsüsse werden durch die Winkel der Aussenwände und die Öffnungen des inneren Kerns natürlich getrennt. Besucher werden den linearen Weg entlang der nordwestlichen Fassade nutzen, während in den übrigen Erschliessungsräumen Aufgaben des Krematoriumpersonals Platznden.

Durch die sensible Platzierung von Oberlichtern und die Rundungen der Aussen- wand wird der Besuchergang zu einer einzigartigen Reise. Die zwei Oberlichter und drei Nischen entlang des inneren Kerns markieren die drei Kapitel dieser Reise.

Der Korridor ist im ersten Kapitel am breitesten, dort wo die Reise der Besucher im intro- vertierten, um einen kleinen Innenhof angelegten Wartesaal beginnt. Im zweiten Kapitel, wohl dem angespanntesten, ist der Gang am engsten. Eine breite Nische lässt den Eingang zum Aufbahrungszimmererkennen. Das dritte Kapitel, das Abschliessen, enthält eine bescheidenere Nische, welche die Möglichkeit bietet, zuzuschauen wie der Sarg in den Ofen kommt.

Beim verlassen des Krematoriums betreten die Besucher erstmals den Garten, welcher sie schon auf ihrem ganzen Weg entlang dem Korridor begleitet hat. Diese neue Perspektive verleitet dazu, die emotionale Reise durch das Gebäude zu re ektieren und stellt diese in ein neues Licht.

2. Etappe – Friedhofsunterhalt

Die zweite Etappe für den Friedhofsunterhalt soll harmonisch neben das Krematorium zu stehen kommen und trotzdem ein eigenständiges Gebäude bilden. Seine Architektursprache hat die selbe Klarheit wie die seines geschwungenen Nachbars, aber die zwei Gebäude ver- meiden es, miteinander zu konkurrieren.

Der quadratische Grundriss ist extremefzient, aber sein eigentlicher Sinn liegt darin, durch diskrete Reinheit die gelassene Ruhe des Friedhofs zu verstärken.

Ein gemeinsamer Garten verbindet das Krematorium und den Friedhof. Der Fussweg der die beiden Programme vernetzt ist leicht geschwungen und weicht die harten Kanten vom Friedhof auf. Alle Parkplätze werden südlich des Krematoriums angeordnet, damit der Bereich zwischen Friedhof und Krematorium vom motorisierten Verkehr freigehalten werden kann. So wird der Garten zum Ort der Kontemplation und ein ganz wesentlicher Bestandteil vom Erlebnis der Besucher.

Üppige ausdauernde Panzen und Farne werden entlang dem Gartenpfadgepanzt. Diese Inseln verfügen auch über unterschiedliche Rasenhöhen. Die resultierende Vielfalt von Grün- tönen wird einen beim Spaziergang im Garten im Hintergrund begleiten. Die Wahl der Bepanzung bietet zudem einen aussergewöhnlich farbenreichen Blütenstand im Sommer, starke Verfärbungen vom Herbstlaub und eine ausdrucksvolle strukturelle Vielfalt im Winter.

Diverse mittelgrosse Bäume und Büsche wirken als Übergang zu den gepanzten Sträuchern. Blumenhartriegel und Magnolien machen den Garten zu einem blumigen Reich, und verfärben sich sehr schön im Herbst. Strauch-Waldföhre erinnert an fernöstliche Gärten und baut zugleich eine starke Beziehung mit der Umgebung auf. Zum Teil werden die selben Bäume wie auf den Nachbargrundstücken verwendet, um den Garten noch mehr in sein Umfeld einzubinden. Der südöstliche Teil der Parzelle wird dicht mit Bäumen bepanzt um dem Garten dennoch einen klaren, ruhigen Abschluss zu geben und ihn von den angrenzenden Häusern zu trennen.

credits

architect: Fala  |  team: Filipe Magalhães, Ana Luisa Soares, Ahmed Belkhodja, Thea Orderud, Jack Huang, Ana Sevo  |  client: Unknown  |  status: Competition (2015)  |  location: Thun, Switzerland  |  climate: Oceanic / maritime, Temperate  |  material: concrete  |  environments: Park, Urban  |  consultant: David Lombard  |  visualizer: Studio  |  scale: large  |  types: cemetery, religious  |  views: 5.284